Wie funktioniert Bluetooth beim Hörgerät?
Moderne Hörgeräte nutzen Bluetooth, um sich mit Smartphones, Tablets und anderen Geräten zu verbinden. Die Verbindung funktioniert ähnlich wie bei Kopfhörern oder Lautsprechern – allerdings gibt es beim Hörgerät einige Besonderheiten.
Bluetooth Low Energy (BLE): Die meisten Hörgeräte nutzen Bluetooth Low Energy statt Standard-Bluetooth. Das spart Strom – wichtig, weil Hörgerätebatterien klein sind. Der Nachteil: Manche ältere Smartphones oder bestimmte Android-Versionen kommen damit schlechter zurecht.
Made for iPhone (MFi): Phonak, Oticon, Signia, Widex und andere Hersteller setzen auf Apples “Made for iPhone”-Standard. Das erlaubt eine direkte, stabile Verbindung ohne Zwischengerät. iPhone-Nutzer haben hier historisch die beste Erfahrung.
ASHA-Standard (für Android): Android-Nutzer können über den ASHA-Standard (Audio Streaming for Hearing Aids) direkt verbinden – aber nur mit Geräten ab Android 10 und passenden Hörgeräten. Das funktioniert inzwischen sehr gut, ist aber etwas jünger als der iPhone-Standard.
Bluetooth Classic (für manche Modelle): Einige Hörgeräte nutzen Standard-Bluetooth Classic, der mit fast jedem Smartphone funktioniert, aber mehr Strom verbraucht.
Welche Hörgeräte haben Bluetooth?
Bluetooth ist heute in nahezu allen Mittelklasse- und Premiumgeräten enthalten. In der Einstiegsklasse und bei einfachen Kassenmodellen fehlt die Funktion oft.
Mit Bluetooth (Mittelklasse und Premium):
| Hersteller | Modellreihen (Auswahl) | Kompatibel mit |
|---|---|---|
| Phonak | Lumity, Audéo, Slim | iPhone & Android (Bluetooth Classic + BLE) |
| Oticon | Real, More, Intent | iPhone & Android (ASHA) |
| Signia | Pure Charge&Go, Styletto | iPhone & Android |
| Widex | Moment, Magnify | iPhone & Android |
| Bernafon | Viron, Zerena | iPhone & Android |
| Starkey | Genesis, Evolv | iPhone & Android |
Ohne oder mit eingeschränktem Bluetooth:
Einfache Kassenmodelle und Einstiegsgeräte verzichten häufig auf Bluetooth, um Kosten zu sparen. Wenn Bluetooth für dich wichtig ist, frag beim Direktanbieter explizit danach – auch im Mittelklassesegment gibt es günstige Modelle mit vollständigem Bluetooth.
Tipp für Erstträger: Wenn du viel telefonierst, Podcasts oder Musik hörst, oder die Lautstärke diskret per App regeln möchtest, ist Bluetooth keine Spielerei – es verändert den Alltag grundlegend. Sag das beim Beratungsgespräch.
iPhone oder Android – was ist kompatibler?
Die ehrliche Antwort: iPhone ist historisch die bessere Wahl für Hörgerät-Bluetooth-Nutzer.
Der “Made for iPhone”-Standard gibt es seit 2014 und wurde von allen großen Herstellern schnell und vollständig umgesetzt. Die Verbindung ist stabil, der Streaming-Audio-Qualität ist hoch, und die App-Integration ist nahtlos.
Android hat massiv aufgeholt. Seit Android 10 und dem ASHA-Standard funktioniert die direkte Verbindung bei den meisten modernen Geräten zuverlässig. Aber: Es gibt deutlich mehr Android-Varianten als iPhones – Samsung, Xiaomi, Huawei, Google, Sony – und nicht jede Kombination aus Android-Gerät und Hörgerät funktioniert gleich gut.
Empfehlung:
- Du nutzt ein iPhone (ab iPhone 6)? → Kein Problem, alle gängigen Hörgeräte funktionieren.
- Du nutzt ein Android-Gerät ab 2020? → In den meisten Fällen problemlos. Frag beim Anbieter nach der Kompatibilität mit deinem Modell.
- Du nutzt ein älteres Android oder ein Huawei ohne Google-Dienste? → Hier kann die Kompatibilität eingeschränkt sein. Phonak bietet für diese Fälle oft eine breitere Bluetooth-Classic-Unterstützung.
Manche Hersteller bieten Kompatibilitätslisten auf ihrer Website an. Dein Direktanbieter kann die Kompatibilität mit deinem spezifischen Smartphone vor dem Kauf prüfen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Hörgerät mit dem Handy verbinden
Die genauen Schritte variieren je nach Hörgerät und Smartphone. Diese Anleitung beschreibt das allgemeine Vorgehen.
Schritt 1: Die Hörgeräte-App herunterladen
Jeder Hersteller hat eine eigene App:
- Phonak: myPhonak (App Store / Google Play)
- Oticon: Oticon ON
- Signia: Signia App
- Widex: Widex MOMENT
- Starkey: Thrive Hearing
Lade die App für dein Gerät herunter, bevor du mit der Kopplung beginnst.
Schritt 2: Bluetooth am Smartphone aktivieren
Öffne die Einstellungen deines Smartphones → Bluetooth → einschalten.
Schritt 3: Hörgeräte in den Pairing-Modus versetzen
Bei den meisten Hörgeräten: Batterielade öffnen und wieder schließen (bei Akkugeräten: Gerät ausschalten und wieder einschalten). Das versetzt das Hörgerät für ca. 3 Minuten in den Pairing-Modus.
Schritt 4: Am iPhone
Öffne Einstellungen → Bedienungshilfen → Hörhilfen. Dein iPhone sucht automatisch nach kompatiblen Geräten. Die Hörgeräte erscheinen im Suchfenster – tippe darauf und bestätige die Verbindung. Wenn beide Hörgeräte angezeigt werden, verbinde beide separat.
Schritt 5: Am Android
Öffne Einstellungen → Verbundene Geräte → Bluetooth. Suche nach neuen Geräten. Die Hörgeräte erscheinen in der Liste – tippe darauf und folge den Anweisungen. Alternativ: Öffne zuerst die Hörgeräte-App – diese führt dich durch den Pairing-Prozess.
Schritt 6: In der App anmelden und einrichten
Öffne nach der Kopplung die Hörgeräte-App und melde dich an (oder erstelle ein Konto). Die App erkennt die verbundenen Geräte automatisch.
Tipp: Dein Hörakustiker – auch beim Direktanbieter – kann die Verbindung beim ersten Beratungstermin direkt einrichten. Musst du nicht selbst machen, wenn du dir unsicher bist.
Was kann ich per App steuern?
Die Hersteller-Apps sind deutlich mächtiger als viele Nutzer ahnen. Hier die wichtigsten Funktionen:
Lautstärke anpassen: Ohne umständliches Drücken kleiner Knöpfe am Gerät – einfach per Schieberegler in der App. Besonders hilfreich in Restaurants oder bei Gruppenveranstaltungen.
Programme wechseln: Viele Hörgeräte haben mehrere voreingestellte Hörprogramme (Alltag, Restaurant, Musik, TV). In der App wechselst du mit einem Tippen zwischen ihnen.
Richtungssteuerung / Fokus: Manche Apps erlauben es, den “Fokus” des Hörgeräts zu steuern – z. B. auf Gesprächspartner direkt vor dir, oder auf alle Richtungen gleichmäßig.
Gleichgewicht einstellen: Wenn ein Ohr mehr verstärken soll als das andere, lässt sich das oft direkt in der App justieren.
Batteriestatus: Du siehst immer, wie viel Akkukapazität noch vorhanden ist – kein unangenehmes Überraschungssignal mehr.
Fernanpassung anfragen: Bei Direktanbietern wie MySecondEar und ear.direct kann der Hörakustiker Anpassungen direkt per App vornehmen – ohne dass du persönlich erscheinen musst. Das nennt sich Fernanpassung. Mehr dazu hier.
Hörsituationen merken: Manche Apps lernen deine bevorzugten Einstellungen an bestimmten Orten (z. B. Restaurant, Büro, Zuhause) und wechseln automatisch.
Musik und Anrufe direkt ins Hörgerät streamen
Das ist für viele Nutzer die beliebteste Funktion: Audio direkt in die Hörgeräte streamen – ohne Kopfhörer, ohne Kabel, ohne Lautsprecher.
Telefonieren: Wenn das Smartphone klingelt, hörst du den Anruf direkt in beiden Hörgeräten – kristallklar, ohne das Telefon ans Ohr halten zu müssen. Das Mikrofon des Smartphones nimmt deine Stimme auf. Für Menschen, die Telefonieren bisher gemieden haben, ist das oft eine Offenbarung.
Musik und Podcasts: Alles, was auf dem Smartphone läuft, kann direkt ins Hörgerät gestreamt werden. Die Qualität ist bei Mittelklasse- und Premiumgeräten sehr gut – Musik klingt fuller und klarer als mit vielen Kopfhörern.
Navigation: Wenn du Google Maps oder Apple Karten nutzt, hörst du die Abbiegehinweise direkt ins Ohr – ohne dass du das Lautstärkeniveau des Hörgeräts verlässt.
TV-Streaming: Viele Hersteller bieten spezielle TV-Streamer-Adapter an, die an den Fernseher angeschlossen werden und den Ton direkt ins Hörgerät übertragen. Ideal für alle, die den Fernseher bisher auf unangenehm hohem Pegel laufen lassen mussten.
Wichtiger Hinweis: Streaming verbraucht deutlich mehr Akkukapazität als normales Hören. Bei ausgiebigem Streaming-Einsatz hält der Akku u. U. nicht den ganzen Tag. Lade die Geräte tagsüber kurz auf (die meisten Ladeschalen erlauben Schnellladen: 30 Minuten = mehrere Stunden Laufzeit).
Häufige Probleme und Lösungen
Hörgerät wird nicht gefunden:
- Stelle sicher, dass sich das Hörgerät im Pairing-Modus befindet (Batteriefach öffnen/schließen oder Neustart)
- Bluetooth am Smartphone aus- und wieder einschalten
- Sicherstellen, dass das Smartphone-Betriebssystem aktuell ist
- Prüfen, ob das Hörgerät bereits mit einem anderen Gerät gekoppelt ist – dann Kopplung dort trennen
Verbindung bricht häufig ab:
- Halte das Smartphone nicht weiter als ca. 5–10 Meter vom Hörgerät entfernt
- Bluetooth-Interferenzen durch andere Geräte in der Nähe (WLAN-Router, andere Bluetooth-Geräte) können stören
- Update für die Hörgeräte-App prüfen
- Beim Hersteller oder Direktanbieter nach Firmware-Updates für das Hörgerät fragen
Audio verzögert beim Streaming:
- Leichte Latenz ist beim MFi-Standard normal (< 0,1 Sek.) – beim Videoschauen kann das stören
- Manche Hersteller bieten eine “Cinema-Modus”-Einstellung, die die Latenz optimiert
- Alternativ: TV-Streamer-Adapter nutzen (deutlich geringere Latenz als Smartphone-Streaming)
App erkennt Hörgeräte nicht:
- App schließen und neu öffnen
- Bluetooth aus- und wieder einschalten
- Hörgeräte und Smartphone neu koppeln (Kopplung in den Bluetooth-Einstellungen löschen, dann neu starten)
- App deinstallieren und neu installieren
Für alle Probleme gilt: Dein Direktanbieter hilft per Telefon oder Video-Call. Die Fernanpassung erlaubt es dem Akustiker auch, Einstellungen zu überprüfen und zu korrigieren, ohne dass du anreisen musst.
Häufige Fragen
Kann ich das Hörgerät mit zwei Geräten gleichzeitig verbinden?
Das hängt vom Modell ab. Viele moderne Hörgeräte unterstützen Multipoint-Verbindungen – also gleichzeitig mit Smartphone und Tablet. Prüfe das beim Kauf, wenn dir das wichtig ist.
Muss ich Bluetooth ständig aktiviert lassen?
Wenn du die Streaming-Funktionen nutzen möchtest, ja. Wenn du nur die Grundverstärkung brauchst und kein Audio streamst, kann Bluetooth ausgeschaltet bleiben – das spart Akkustrom am Smartphone.
Mein Hörgerät hat Bluetooth, aber ich habe kein Smartphone. Was tun?
Kein Problem. Hörgeräte mit Bluetooth funktionieren auch ohne Verbindung zu einem Smartphone einwandfrei – als klassisches Hörgerät ohne App-Steuerung. Die Bluetooth-Funktion ist optional, nicht zwingend.
Kann mein Hörakustiker per App Einstellungen ändern?
Ja – bei Direktanbietern wie MySecondEar und ear.direct ist Fernanpassung standard. Der Akustiker ändert Einstellungen direkt über das Netzwerk – du musst nicht persönlich erscheinen. Das ist einer der größten Vorteile der Direktanbieter.
Bekomme ich Anrufe auf beiden Hörgeräten oder nur auf einem?
Bei ordnungsgemäß verbundenen Hörgeräten läuft der Anruf auf beiden Ohren – das ergibt ein deutlich besseres Sprachverständnis als nur einseitiges Hören.
Welche Android-Version brauche ich?
Für den ASHA-Standard (direkte Kopplung) brauchst du mindestens Android 10. Für ältere Android-Versionen oder nicht ASHA-kompatible Geräte bieten manche Hersteller alternative Verbindungsmethoden oder Streaming-Adapter an.
Was kostet ein Hörgerät mit Bluetooth beim Direktanbieter?
Mittelklassegeräte mit Bluetooth beginnen beim Direktanbieter bei ca. 1.000–1.800 € pro Ohr (Gerätepreis). Nach GKV-Abzug (ca. 685 €) liegt der Eigenanteil bei ca. 315–1.115 €. Mehr zur Preisübersicht: Hörgerät Kosten 2026
Fazit
Bluetooth verwandelt das Hörgerät vom Hilfsmittel zum alltagsintegrierten Begleiter. Anrufe klar in beiden Ohren, Musik ohne Kopfhörer, Lautstärkesteuerung per Tippen – das ist für viele Träger der Moment, in dem sie ihr Hörgerät wirklich mögen lernen.
Die Einrichtung ist in 10 Minuten erledigt, und dein Direktanbieter hilft dabei – persönlich, per Video oder telefonisch. Wer ein Hörgerät mit Bluetooth sucht: Beim kostenlosen Beratungstermin bei MySecondEar oder ear.direct kann man direkt fragen, welche Modelle mit dem eigenen Smartphone kompatibel sind.
Autor: chris