Deine Anwesenheit macht einen Unterschied
Du gehst mit – und das ist mehr als eine nette Geste. Studien zeigen, dass Menschen, die von einem Angehörigen beim Hörgeräteprozess begleitet werden, häufiger ein Gerät kaufen und es anschließend regelmäßiger tragen.
Das liegt nicht nur an der emotionalen Unterstützung. Du kannst Dinge beschreiben, die der Betroffene nicht bemerkt – in welchen Situationen das Hören schwer fällt, welche Momente besonders schwierig sind. Diese Informationen sind für den Akustiker wertvoll.
Warum Direktanbieter für Begleiter besonders geeignet sind:
Bei stationären Akustikern bedeutet Begleitung meist: mit in die Filiale fahren, in einem unbequemen Wartestuhl sitzen, dann vielleicht kurz mit ins Beratungszimmer dürfen. Bei Direktanbietern ist es anders. Du kannst beim Video-Termin einfach mit dem eigenen Gerät teilnehmen – ganz egal, ob du 10 km oder 1.000 km entfernt bist. Beim Heimbesuchs-Modell von AudioMee bist du automatisch dabei, weil der Akustiker zu euch kommt.
Das bedeutet: keine Terminkoordination, keine Fahrten, kein Drängen.
Ablauf beim Video-Termin (z. B. MySecondEar)
Der erste Termin bei Online-Direktanbietern findet per Video statt. Das hat einen großen Vorteil: Du kannst einfach mit in den Anruf. Kein Terminkoordinieren, keine Fahrt – du öffnest denselben Link auf deinem eigenen Gerät.
Typischer Ablauf (ca. 30–45 Minuten):
1. Begrüßung und Vorstellung Der Hörakustiker stellt sich vor und erklärt den Ablauf. Oft eine kurze Einführung in den Prozess: Was passiert heute, was kommt danach.
2. Anamnese – Hörgeschichte besprechen Fragen zur Hörgeschichte: Seit wann hörst du schlechter? In welchen Situationen ist es besonders schwer? Gibt es ein Audiogramm vom HNO-Arzt? Hat der Betroffene bereits früher Hörgeräte getragen?
3. Alltagssituationen besprechen Hier kannst du als Begleiter aktiv beitragen: „Beim Familienessen versteht Papa uns kaum noch.” „Am Telefon fehlt oft die Hälfte.” „Er dreht den Fernseher so laut, dass wir es im Nebenzimmer hören.”
Diese Beobachtungen sind für den Akustiker oft wertvoller als das, was der Betroffene selbst sagt – denn er hört nicht, was er nicht hört.
4. Geräteempfehlung Der Akustiker empfiehlt passende Modelle auf Basis der Informationen. Keine Kaufentscheidung notwendig. Modelle werden erklärt, Unterschiede zwischen Klassen besprochen.
5. Fragen und Abschluss Alle Fragen können gestellt werden – von euch beiden. Dann wird gemeinsam entschieden, ob ein Probegerät nach Hause geschickt wird.
Technische Vorbereitung:
- Stabiles WLAN am Tag des Termins
- Kamera und Mikrofon testen (integriert beim Laptop, separat beim Tablet)
- Ruhige Umgebung wählen – kein Fernseher im Hintergrund
- Link aus der Bestätigungs-E-Mail bereithalten
Ablauf beim Heimbesuch (AudioMee)
Wenn du AudioMee gewählt hast, kommt ein zertifizierter Hörakustiker direkt zu euch nach Hause. Du bist automatisch dabei – kein Login, kein Video-Link, kein Technikstress.
Ablauf (ca. 60–75 Minuten):
1. Begrüßung und Raumvorbereitung Der Akustiker braucht einen ruhigen Raum für den Hörtest. Ein Wohnzimmer oder Schlafzimmer reicht aus – kein schallisolierter Raum nötig. Küche mit laufendem Kühlschrank ist weniger ideal.
2. Anamnese und Hörtest Mobiles Audiometrie-Gerät: Der Akustiker führt einen vollwertigen Hörtest durch – dieselbe Qualität wie beim HNO-Arzt oder im Fachgeschäft. Du sitzt dabei und hörst die Ergebnisse direkt.
3. Besprechung der Ergebnisse Der Audiogramm-Verlauf wird erklärt: Welche Töne und Frequenzen sind betroffen? Was bedeutet das im Alltag?
4. Geräteempfehlung und Probetragen Der Akustiker zeigt physische Geräte, erklärt Unterschiede, passt ggf. ein Gerät direkt an und lässt den Betroffenen probetragen.
5. Nächste Schritte festlegen Kassenabwicklung klären, Probezeit besprechen, Folgetermine vereinbaren.
Vorbereitung für den Heimbesuch:
- Audiogramm vom HNO-Arzt bereithalten (falls vorhanden)
- Krankenkassenkarte griffbereit
- Liste mit Alltagssituationen: Wo hört der Betroffene besonders schlecht?
Fragen, die du als Begleiter stellen solltest
Viele Betroffene stellen keine Fragen – aus Scham, Unsicherheit oder weil sie das Gerät eigentlich noch nicht wollen. Du kannst die Lücke füllen. Es ist keine Einmischung: Es ist Fürsorge.
Zum Gerät und zur Anpassung:
- „Wie lange dauert die Eingewöhnungsphase normalerweise?”
- „Wie viele Anpassungsrunden sind geplant – und wie funktioniert das per Video?”
- „Kann das Gerät nachher von einem anderen Akustiker weiterangepasst werden?”
- „Was passiert, wenn das Gerät nicht passt? Rückgabe möglich – und wie einfach?”
Zur praktischen Handhabung:
- „Wie bedient man das Gerät? Gibt es eine einfache Anleitung?”
- „Wie lange hält der Akku – und wie lädt man es auf?”
- „Was passiert, wenn das Gerät kaputtgeht? Garantie, Reparatur?”
- „Braucht man ein Smartphone für die App?”
Zu eurer Rolle als Angehörige:
- „Kann ich beim nächsten Termin auch wieder dabei sein?”
- „Was kann ich als Angehöriger tun, um den Eingewöhnungsprozess zu unterstützen?”
- „An wen wenden wir uns, wenn Probleme auftreten?”
Deine Checkliste vor dem Termin
Bereite folgendes vor – zum Ausdrucken oder als Notiz auf dem Handy:
Dokumente:
- Audiogramm oder Arztbefund (wenn HNO bereits Hörtest gemacht hat)
- Krankenkassenkarte (für spätere Kassenabrechnung)
- Ggf. Vorverordnung vom HNO-Arzt
Informationen:
- Notizen zu Alltagssituationen: Wann und wo hört der Betroffene schlecht? (Telefon, Fernseher, Gespräche in Gruppen, Restaurants?)
- Informationen zum bisherigen Hörgerät, falls vorhanden (Marke, Alter, Probleme)
- Eigene Fragen aus der Liste oben
Praktische Vorbereitung:
- Bei Video: stabiles WLAN, Gerät mit Kamera, ruhige Umgebung
- Bei Heimbesuch: ruhiger Raum, 60–75 Minuten Zeit einplanen
- Beide: entspannte Atmosphäre – kein Druck, kein Stress
Dabei sein – ohne zu übernehmen
Es gibt einen wichtigen Unterschied: Dabei sein und entscheiden.
Deine Rolle ist es, zu unterstützen, zu fragen und zu beobachten. Nicht, das Gerät für den Betroffenen auszusuchen oder ihn zu drängen. Der Betroffene muss das Gerät wollen – das Ergebnis hängt davon ab.
Tue das:
- Aktiv zuhören und gelegentlich ergänzen
- Aus deiner Beobachter-Perspektive berichten: „Mir fällt auf, dass…”
- Nachfragen, wenn etwas unklar ist
- Notizen machen
Lass das:
- Antworten für den Betroffenen geben
- Drängen oder ungeduldig werden
- Das Gespräch dominieren oder übernehmen
- Entscheidungen für den Betroffenen treffen
Der Ton macht die Musik: „Ich habe noch eine Frage dazu” ist besser als „Du musst das fragen.” Sanft bleiben, auch wenn der Betroffene zögerlich reagiert.
Nach dem Termin: Die wichtige Phase zu Hause
Wenn ein Probegerät nach Hause kommt, beginnt die eigentliche Arbeit. Du kannst dabei sehr helfen – auch ohne technisches Wissen.
In den ersten Tagen:
- Hilf beim ersten Einsetzen, wenn gewünscht
- Frag kurz nach: „Wie klingt es?” – ohne Erwartungsdruck
- Ermutige zum täglichen Tragen: Mindestens 6–8 Stunden am Tag, auch wenn es anfangs ungewohnt ist
In der Probezeit (28–30 Tage):
- Beobachte: Versteht der Betroffene in Gesprächen mit dir besser als ohne Gerät?
- Halte Beobachtungen fest: Was klingt besser? Was noch nicht? Wann ist es besonders schwierig?
- Diese Notizen sind beim nächsten Anpassungstermin wertvoll
Ermutigung ist entscheidend: „Ich merke, dass es schon besser geht” – positives Feedback motiviert mehr als Druck. Viele Erstträger wollen das Gerät nach wenigen Tagen wieder ablegen, weil alles fremd klingt. Normale Reaktion – und genau die Phase, wo deine Unterstützung am meisten zählt.
Häufige Fragen
Muss ich mich beim Video-Termin extra anmelden? Nein. Du brauchst nur den Link, den der Anbieter vor dem Termin verschickt. Auf demselben Gerät oder einem anderen öffnen – einfach einwählen. Kein eigenes Konto nötig.
Was, wenn der Betroffene plötzlich doch allein zum Termin möchte? Das ist sein gutes Recht. Frag vorher kurz, ob deine Anwesenheit gewünscht ist – und respektiere ein Nein. Biete an, nach dem Termin gemeinsam die Ergebnisse zu besprechen.
Darf ich als Begleiter beim AudioMee-Heimbesuch im selben Raum sein? Ja, vollständig. Das ist sogar erwünscht. Der Heimbesuch ist konzipiert für genau diese Situation.
Was, wenn der Termin länger dauert als erwartet? Puffer einplanen. Video-Ersttermine dauern 30–60 Minuten, Heimbesuche 60–90 Minuten. Kein enger Anschlussterm in.
Kann ich als Begleiter selbst Fragen stellen, auch wenn ich nicht der Patient bin? Ja. Direktanbieter begrüßen das ausdrücklich. Deine Perspektive als Angehöriger ist ein wichtiger Teil der Anamnese.
Was, wenn das erste Gerät nicht passt? 30 Tage Probezeit bedeutet: kein Kaufzwang. Das Gerät kann zurückgeschickt werden. Deine Aufgabe in dieser Phase ist, genaue Beobachtungen zu sammeln – sie helfen dem Akustiker beim nächsten Versuch.
Gibt es eine Möglichkeit, den Termin aufzuzeichnen, damit nichts vergessen wird? Frag den Akustiker vorher kurz. Viele sind einverstanden. Alternativ: kurze Notizen direkt nach dem Termin.
Fazit
Als Begleiter beim ersten Termin bist du kein Zuschauer – du bist ein aktiver Teil des Prozesses. Mit der richtigen Vorbereitung und der richtigen Haltung machst du den Unterschied zwischen einer guten Entscheidung und einer halbherzigen.
Nächste Schritte: Lies den vollständigen Leitfaden „Mein Vater hört schlecht” – mit allem, was du als Angehöriger wissen musst. Oder direkt zum Direktanbieter-Vergleich für einen Überblick über alle Optionen.
Autor: chris